Aufgewachsen in Genf und ausgebildet in organischer Chemie, verbindet Christine Nagel wissenschaftliche Präzision mit einem tiefen Gespür für Texturen und Farben. Schon früh in ihrer Karriere bei Créations Aromatiques in Genf – unter der Mentorship von Michel Almairac – legte sie das Fundament für einen Stil, der sich nie mit linearen Kompositionen zufriedengibt.
In den 1990er-Jahren hielt Nagel rund 60 % aller Parfümaufträge Italiens, darunter Arbeiten für Fendi und Versace. 1998 entstand Theorema für Fendi, 2003 folgte – in Zusammenarbeit mit Francis Kurkdjian – Narciso Rodriguez for Her, das 2005 mit dem FiFi Award als bestes Damenparfum ausgezeichnet wurde und 2012 den Preis „Twenty Years of Creativity" erhielt. Mit Miss Dior Chérie (2005) und Sì für Giorgio Armani (2013) bewies sie ihre Vielseitigkeit über Häuser und Duftstile hinweg.
Für Jo Malone London schuf Nagel insgesamt 47 Düfte, darunter die bis heute gefragten Klassiker English Pear & Freesia, Oud & Bergamot (beide 2010) und Wood Sage & Sea Salt (2014), das 2015 den Marie Claire International Fragrance Award als mutigsten Duft gewann.
Seit 2014 ist sie Hausparfümeurin bei Hermès – seit 2016 die einzige. Hier entstanden unter anderem Galop d'Hermès (2016), die von Bewegung und Freiheit geprägte Twilly d'Hermès-Familie (ab 2017), das maskuline H24 (2021) sowie Un Jardin à Cythère (2023). Ihre Arbeitsweise folgt dabei einer klaren Überzeugung: Die Kreation führt das Marketing – niemals umgekehrt.